Vom Ankommen bis zu fertigen Bildern: Ihr erfahrt, wie ein Familienshooting bei mir abläuft. Lest, wie ich ohne Posen fotografiere, wie wir ein streikendes Kind begeistern und wie es danach weitergeht
Die häufigste Frage vor einem Familienshooting ist nicht „Was ziehen wir an?“, sondern „Was müssen wir denn da machen?“. Dahinter steckt fast immer dieselbe Sorge: dass ihr vor der Kamera funktionieren müsst, während eure Kinder nicht mitspielen.
Deshalb führe ich euch hier durch den Shooting-Tag. Alles, was ihr vorher plant und packt, steht im Beitrag Vorbereitung auf euer Familienfotoshooting.
Hier findest du die wesentlichen Inhalte des Beitrags kurz zusammengefasst:
- Ankommen: Ein Familienshooting beginnt mit einer kurzen Aufwärmphase, in der noch kaum fotografiert wird. Kinder brauchen diese Zeit, um die Location und die Fotografin kennenzulernen.
- Anleitung statt Posen: Bei einem ungestellten Shooting bekommen Familien kleine Aufgaben statt fester Posen, zum Beispiel aufeinander zulaufen oder das Kind hochheben. Fotografiert wird die authentische Reaktion, die dabei entsteht.
- Pausen: Pausen sind ein fester Bestandteil des Ablaufs, bei kleineren Kindern eher häufiger. Sie dienen für Snacks, Bewegung, Outfitwechsel oder einfach zum Durchatmen.
- Wenn ein Kind nicht mitmacht: Quengeln und Weinen gehören zur Familienfotografie dazu. Wir machen dann einfach eine Pause. Kinder spüren den Druck der Eltern, deshalb ist eine gelassene Haltung der Eltern der wichtigste Faktor.
- Dauer: Ein Familien-Fotoshooting dauert in der Regel ein bis zwei Stunden. Mit kleinen Kindern reicht meist eine Stunde, größere Familien und Generationenshootings brauchen länger.
- Kurz zusammengefasst: Was am Shooting-Tag passiert
- Wie beginnen wir das Shooting?
- Wie fotografiere ich euch ohne gestellte Posen?
- Was, wenn wir uns vor der Kamera unwohl fühlen?
- Was machen wir, wenn unser Kind beim Shooting nicht mitmacht?
- Wie viele Pausen brauchen wir im Fotoshooting?
- Ist der Ablauf draußen, zuhause oder im Studio unterschiedlich?
- Wie geht es nach dem Familienshooting weiter?
- Häufig gestellte Fragen zum Ablauf eures Shootings
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- Schau dir gern weitere Beiträge zur Familienfotografie an
Wir starten nicht mit der Kamera, sondern mit einem Spaziergang. Die ersten Minuten gehören dem Ankommen: begrüßen, kurz reden, die Location zusammen anschauen. In dieser Zeit fotografiere ich noch kaum, und das ist Absicht.
Kinder brauchen diesen Vorlauf. Wenn ich sofort anfange zu fotografieren, bekomme ich genau das, was niemand will: angespannte Gesichter und ein Kind, das sich hinter dem Bein der Mama versteckt. Also gehe ich erst einmal mit, rede mit den Kindern über etwas völlig anderes und lasse die Kamera dabei ruhig sichtbar an meiner Seite hängen.
Gleichzeitig klären wir die letzten Fragen. Gibt es Plätze an der Location, die euch besonders gefallen? Gibt es ein Bild, das euch wichtig ist, zum Beispiel eine Aufnahme mit den Großeltern oder ein Foto für die Wand im Wohnzimmer? Sagt es mir an dieser Stelle, dann kann ich es im Ablauf mitdenken.
Nach etwa zehn Minuten merke ich meistens, dass die Schultern runtergehen und die Kinder anfangen, die Umgebung zu erkunden. Ab da fotografiere ich.
Ich gebe euch Aufgaben, keine Posen. Statt „stellt euch hier hin und schaut in die Kamera“ bitte ich euch, aufeinander zuzulaufen, das Kind hochzuheben oder euch etwas ins Ohr zu flüstern. Aus der Bewegung entsteht eine echte Reaktion, und die fotografiere ich.
Der Unterschied klingt klein, verändert die Bilder aber vollständig. Eine Pose müsst ihr halten, und Halten sieht man auf jedem Foto. Eine Aufgabe müsst ihr ausführen, und beim Ausführen vergesst ihr die Kamera. Genau in dieser Sekunde entsteht der Blick, den ihr später auf dem Bild wiedererkennt.
Praktisch heißt das: Wir bewegen uns durch die Location, statt an einem Punkt stehen zu bleiben. Die Kinder dürfen rennen, klettern, Blätter sammeln oder Steine ins Wasser werfen. Ich beobachte, gehe mit und drücke ab, wenn etwas Echtes passiert. Es gibt keinen starren Plan, dem wir folgen. Es gibt einen Rahmen, in dem viel passieren darf.
Ein klassisches Familienbild, auf dem alle in die Kamera schauen, bekommt ihr trotzdem. Das ist kein Widerspruch, sondern gehört für die meisten Familien dazu. Ich baue es bewusst ein, meist früh, wenn alle noch frisch sind, und dann geht es zurück in die Bewegung.
Welche Bildideen, Konstellationen und Motive dabei entstehen können, von Geschwisterbildern bis zu Generationenfotos mit den Großeltern, habe ich im Beitrag Ideen für euer Familienshooting gesammelt.
Das geht fast allen Erwachsenen so, und es ist einer der häufigeren Sätze, den ich vor einem Familienfotoshooting höre. Ihr müsst nichts können und nichts darstellen. Meine Aufgabe ist es, euch so anzuleiten, dass ihr gar nicht erst in die Situation kommt, für die Kamera zu posieren.
Kinder haben dieses Problem selten. Sie sind nach kurzer Zeit in ihrem Spiel und denken nicht darüber nach, wie sie aussehen. Ihr Eltern denkt darüber nach: ob der Bauch zu sehen ist, ob das Lächeln komisch wirkt, ob die Hände falsch liegen. Diese Unsicherheit ist normal, und sie verschwindet nicht dadurch, dass ich sie ignoriere.
Was hilft, ist ein Trick, den ich in fast jedem Shooting nutze: Ich richte eure Aufmerksamkeit weg von der Kamera und hin zu euren Kindern. Wer sein Kind kitzelt, hochwirft oder ihm zuhört, denkt nicht mehr an sich selbst. Deshalb sind die Bilder, auf denen ihr euch am Ende am meisten mögt, fast immer die, bei denen ihr euch gerade nicht beobachtet gefühlt habt.
Bei der Bildauswahl achte ich zusätzlich darauf, euch vorteilhaft zu zeigen. Perspektive, Licht und Haltung machen einen großen Unterschied.
Dann machen wir eine Pause. Ein Kind, das gerade weint oder trotzt, lässt sich nicht überreden, und der Versuch macht es schlimmer. Wir unterbrechen, lenken ab, geben Zeit, und in aller Regel ist die Lage nach ein paar Minuten wieder entspannt.
Das ist keine Ausnahmesituation, sondern gehört zur Familienfotografie dazu. Kleine Kinder haben schlechte Momente, Zweijährige sagen grundsätzlich nein, und Teenager finden das Ganze erst einmal peinlich. In über tausend Fotoshootings ist noch jede Familie mit guten Bildern nach Hause gegangen, auch wenn zwischendurch geweint wurde.
Wichtig ist eure Haltung in diesem Moment. Kinder merken sofort, wenn Eltern angespannt werden, weil das Shooting Geld kostet und alles klappen soll. Der Druck überträgt sich, und aus einem kurzen Quengeln wird ein langer Streik. Wenn ihr ruhig bleibt, bleibt euer Kind es meistens auch.
Ich bleibe in solchen Momenten bewusst gelassen und fotografiere manchmal einfach weiter, ohne dass es jemand merkt. Denn ein Kind auf dem Arm der Mama, das sich gerade beruhigt, ist oft das ehrlichste Bild des ganzen Shootings.
So viele, wie ihr braucht. Pausen sind fest eingeplant und kosten euch keine Bilder, sondern sichern sie.
Eine Pause kann vieles sein: ein Snack, ein Schluck Wasser, ein paar Minuten Spielzeit ohne Kamera oder einfach Durchatmen. Draußen nutzen wir die Zeit oft für kleine Entdeckungstouren, bei denen die Kinder Stöcke sammeln oder eine Pfütze inspizieren. Danach sind sie deutlich motivierter als vorher.
Auch ein Outfitwechsel ist eine Pause und braucht seine Zeit. Ein bis zwei Wechsel pro Person sind gut machbar und bringen Abwechslung in eure Bildauswahl. Mehr zieht das Shooting spürbar in die Länge, und besonders kleine Kinder verlieren dabei die Lust. Welche Outfits für euer Familienshooting gut zusammenpassen, habe ich in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.
Was ich in Pausen nicht mache: drängeln. Die besten Familienbilder entstehen nicht am Fließband. Sie entstehen dann, wenn niemand auf die Uhr schaut, auch ich nicht.
Der Ablauf bleibt in allen drei Fällen gleich: ankommen, warm werden, in Bewegung kommen, Pausen machen. Unterschiedlich sind vor allem das Licht, der Bewegungsraum und die Frage, wie stark die Umgebung selbst zum Motiv wird.
Draußen haben die Kinder den größten Bewegungsradius, und das Shooting bekommt dadurch Tempo. Ich richte den Ablauf nach dem Licht: weiches Abendlicht, Schatten im Wald oder ein bedeckter Himmel bestimmen, wo wir wann fotografieren. Locations, Jahreszeiten und den Umgang mit Wetter habe ich im Beitrag Familienshooting Outdoor beschrieben.
Zuhause ist der Start meist am einfachsten, weil die Kinder in ihrer vertrauten Umgebung sind. Wir fotografieren dort, wo das Tageslicht am besten ist, oft am Fenster, auf dem Sofa oder im Kinderzimmer. Der Ablauf wird ruhiger und dokumentarischer, weil euer Alltag mit ins Bild kommt.
Im Studio arbeiten wir mit Tageslicht und einem reduzierten Hintergrund. Die Kinder haben weniger Ablenkung, brauchen dafür aber häufig länger zum Ankommen. Hier plane ich die Aufwärmphase großzügiger.
Nach dem Shooting sichte ich alle Aufnahmen, wähle die besten aus und bearbeite sie. Anschließend bekommt ihr eine Online-Galerie, in der ihr eure Lieblingsbilder in Ruhe auswählt und nach Wahl eures Bildpaketes in voller Auflösung herunterladet.
Bei der Auswahl sortiere ich für euch vor. Ich achte auf Schärfe, Bildaufbau, Ausdruck und darauf, dass alle Familienmitglieder gut vertreten sind. Doppelte und sehr ähnliche Aufnahmen fliegen raus, damit ihr nicht durch hunderte fast identische Bilder klicken müsst.
Jedes Bild bearbeite ich anschließend einzeln und gebe ihm meinen Bildlook, der eure Serie harmonisch und stimmig macht. Bei der Bearbeitung bleibt die Natürlichkeit erhalten. Hautunreinheiten, ein Kratzer oder ein störender Gegenstand im Hintergrund dürfen weg, darüber hinaus arbeite ich vorsichtig.
In der Galerie könnt ihr die Bilder gemeinsam auf dem Sofa durchgehen, Favoriten markieren und euer Bildpaket festlegen.



